Mantras
Mantras werden seit jeher in vielen Kulturen gechantet oder gesungen. Meist verbindet man damit Kraft- und Heilformeln aus dem Hinduismus oder dem Buddhismus. Weniger häufig werden Mantras im Zusammenhang mit der christlichen Tradition gebracht ,obwohl auch in ihr diese stets rhythmischen Abfolgen von Silben, Wörtern, Phrasen, Sätzen oder ganzen Versen zu finden sind. In der westlichen Kultur sind Mantras aber in der bewussten Anwendung zum Ausgleich von Seele, Geist und Körper nicht sehr verbreitet. Durch den Einsatz der menschlichen Stimme haben Mantras im Gegensatz zu gewöhnlichen Klängen eine noch intensivere Wirkung auf alle Ebenen, insbesondere auf die seelische Ebene. In vielen Fällen schaffen sie es über das Einwirken auf die Seele eine Transformation von krankmachenden Glaubenssätzen zu heilsamen Gedankenmustern rasch voranzutreiben.
Denn die menschliche Stimme hat eine ganz besondere Qualität, deren Heilquelle in der westlichen Kultur lange Zeit in den Hintergrund gerückt ist. Dieses alte Wissen über die Kraft der menschlichen Stimme wird nun aber langsam wieder neu entdeckt. Die Stimme unterliegt keiner so eingeschränkten Norm wie ein Instrument. Zwar gibt es natürliche Grenzen etwa in Tonhöhe oder Lautstärke, die Spanne zwischen den Extrema ist aber verglichen mit gewöhnlichen Instrumenten innerhalb einer einzigen Instrumentenart relativ groß. Jede Stimme ist individuell und wird sowohl durch die Gene als auch durch Erfahrungen speziell während der menschlichen Entwicklungsphase geprägt. Durch verschiedenste Konflikte, denen wir durch unsere Mitmenschen und unsere Umwelt ausgesetzt werden, kann sich die Stimme unter Umständen nicht so entwickeln, wie es von der Natur vorgesehen würde. Gewissermaßen ist in unserer Stimme unsere Biographie abgespeichert. Werden wir uns dessen bewusst, können wir nachvollziehen, wieso es vielen Menschen schwer fällt ihre „Stimme zu erheben“. Bei jedem Wort, in jeder Silbe schwingen unsere Erlebnisse mit, ob wir wollen oder nicht. Wir präsentieren unserem Gegenüber mit jedem Laut, der aus unserer Kehle kommt, unbewusst einige unserer tiefsten seelischen Verletzungen. Ein ausgesprochenes Wort, ein ausgesprochener Satz kann nicht mehr aufgehalten werden. Einmal der Kehle entschwunden gehen die Laute ihren Weg nach draußen an die Luft, die Atmosphäre, das Universum. Es kommen Frequenzen in die Welt, die sich einerseits aus dem Klang und andererseits aus den Silben der Worte zusammensetzen. Genau diese Frequenzen können mit viel Erfahrung grobe Rückschlüsse geben auf Erlebnisse, Konflikte oder tiefe seelische Verletzungen.
Diese Intimität der Stimme schwingt bei jeder Unterhaltung mit. Bei jedem ausgesprochenen Wort zeigen wir uns zwar natürlich nicht körperlich nackt, die Seele aber präsentiert sich oft in purer Nacktheit. Im Laufe unserer Lebens haben wir gelernt uns dieser zum Teil unangenehmen Situation zu entziehen, indem wir unsere Stimme zurücknehmen, unseren Geist zuerst unsere Gedanken überprüfen lassen bevor sie ausgesprochen werden oder im Extremfall uns völlig vom Erlebtem abkapseln und uns nur noch durch vorgelebte Regeln und Muster navigieren.
Die Stimme ist einer unserer wichtigsten Kommunikationskanäle, und jeder Kanal hat ein Ende und eine Quelle. Ein mit Wasser gefüllter Kanal hat seinen Ursprung bei einer Wasserquelle und mündet zum Schluss irgendwann ins offene Meer. Übertragen auf unsere Stimme als Kommunikationskanal könnte man das offene Meer – wie oben schon erwähnt – als die Atmosphäre oder sogar das Universum deuten. Die Quelle auf biologischer Ebene ist u.a. im Kehlkopf, in den Stimmbändern und im Resonanz“körper“ zu finden. Schauen wir jedoch hinter die Kulissen, kann man aus obigen Überlegungen annehmen, dass der Ursprung der Stimme und in weiterer Folge unserer eigenen Sprache aus spiritueller Sicht in der Seele liegt. Glaubt man an das in uns innewohnende Göttliche, das bei uns Menschen zumindest irgendwo tief im Inneren geschützt liegt, so kann sogar davon ausgegangen werden, dass die Quelle der Stimme als Kommunikationskanal das in allen von uns innewohnende Göttliche ist.

